Plattform oder Best-of-Breed? Warum diese Frage oft falsch gestellt wird
- mariohenzler
- 2. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Apr.
Monolithische IT-Systeme haben über Jahrzehnte die Unternehmenslandschaft geprägt. Schwerfällig, aber stabil. In sich geschlossen, aber wenig flexibel.
Heute – im Cloud-Zeitalter – sieht die Welt anders aus. Unternehmen haben die Wahl: Setzen sie auf spezialisierte Einzellösungen („Best-of-Breed“)? Oder auf integrierte Plattformen? Die Antwort ist weniger trivial, als es auf den ersten Blick scheint.

Zwei Ansätze – zwei Logiken
Best-of-Breed steht für Spezialisierung. Für jede Disziplin – Vertrieb, Marketing, Service oder HR – wird die jeweils beste Anwendung gewählt. Fachlich oft führend, funktional tief, hoch optimiert für den jeweiligen Anwendungsfall. Der Haken: Diese Systeme müssen miteinander sprechen. Integration wird damit zum zentralen Thema – und oft zum Engpass. Schnittstellen, Datenmodelle, Synchronisation: Was auf dem Papier modular klingt, wird in der Praxis schnell komplex.
Plattformlösungen verfolgen einen anderen Ansatz. Sie bündeln verschiedene Funktionen auf einer gemeinsamen technologischen Basis. Die einzelnen Module sind möglicherweise weniger spezialisiert – dafür aber von Beginn an aufeinander abgestimmt. Daten, Prozesse und Benutzerführung folgen einer einheitlichen Logik. Das Ergebnis: weniger Reibungsverluste, weniger Integrationsaufwand – und ein konsistenteres Gesamtsystem.
User Experience ist kein Nice-to-have
Gerade in den kundenorientierten Bereichen – Vertrieb, Marketing, Service – verlaufen Prozesse selten isoliert.
Ein Lead wird zur Opportunity.
Eine Opportunity zum Auftrag.
Ein Auftrag zum Servicefall.
Wer hier mit fragmentierten Systemen arbeitet, erzeugt Medienbrüche. Und die spüren vor allem die Nutzer.
Plattformlösungen schaffen dagegen ein durchgängiges Nutzungserlebnis:
eine Oberfläche, konsistente Prozesse, nahtlose Übergänge. Das steigert nicht nur die Effizienz – sondern vor allem die Akzeptanz.
Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil
Zeit ist ein kritischer Faktor in der digitalen Transformation. Während bei Best-of-Breed-Ansätzen jede Anwendung einzeln ausgewählt, implementiert und integriert werden muss, bringen Plattformen bereits ein funktionierendes Fundament mit. Das reduziert Komplexität – und verkürzt die Time-to-Value erheblich. Oder anders gesagt:Weniger Integrationsprojekte, mehr produktive Nutzung.
Total Cost of Ownership: Die versteckten Kosten
Die Lizenzkosten einzelner Lösungen sind oft nur die Spitze des Eisbergs.
Was häufig unterschätzt wird:
• Integrationsaufwand
• Wartung verteilter Systeme
• Schulung für unterschiedliche Benutzeroberflächen
• Betrieb und Administration
Plattformlösungen reduzieren diese Aufwände spürbar.
Nicht, weil sie „billiger“ sind – sondern weil sie Komplexität eliminieren.
Und genau diese Komplexität ist der eigentliche Kostentreiber.
Skalierung ohne Systembruch
Ein weiterer Vorteil: Plattformen wachsen mit. Unternehmen können klein starten – etwa im Vertrieb – und schrittweise erweitern. Marketing, Service, Kundenportale - ohne grundlegende Architekturentscheidungen jedes Mal neu treffen zu müssen. Das schafft Agilität. Und genau die ist entscheidend in einem Umfeld, das sich permanent verändert.
Die eigentliche Erkenntnis: Es ist kein Entweder-oder
Die spannendste Entwicklung ist jedoch eine andere: Die Grenzen zwischen Plattform und Best-of-Breed verschwimmen. Moderne Plattformanbieter vereinen beides: führende Funktionalität in einzelnen Disziplinen – und gleichzeitig eine integrierte technologische Basis. Damit wird aus dem klassischen Zielkonflikt eine neue Option: Best-of-Breed auf einer Plattform.
Oder anders formuliert: Nicht mehr „entweder oder“, sondern „sowohl als auch“.
Fazit
Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen spezialisierte oder integrierte Lösungen einsetzen sollten. Die entscheidende Frage lautet:
Wie viel Komplexität wollen – oder können – wir uns leisten? Denn am Ende ist nicht die einzelne Anwendung der Engpass. Sondern das Zusammenspiel aller Systeme. Und genau hier entscheidet sich, wie erfolgreich digitale Transformation wirklich ist.




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